Mitgliedschaft & Gemeindezucht

Ist meine Kleingruppe eine Gemeinde?

Von Sam Allberry

Sam Allberry ist Redakteur bei The Gospel Coalition, globaler Sprecher bei Ravi Zacharias International Ministries und Pastor in Maidenhead (England). Er ist der Autor einer Reihe von Büchern, darunter Is God Anti-Gay? (Good Book, 2013).
Artikel
03.02.2021

Viele Gemeinden haben Kleingruppen. Gruppen verschiedener Größe (normalerweise von etwa zehn Leuten) scheinen der beste Kontext für Bibelgespräche zu sein und um füreinander zu beten. Während der Sonntagsversammlung gibt es oft nicht die Möglichkeit, sich auf diese Art und Weise zu begegnen, sodass Kleingruppen oft der Ort sind, an dem der lebendigste „Dienst aneinander“ stattfindet. Beziehungen werden vertieft, Einsichten geteilt und Probleme und Schwierigkeiten im Leben werden diskutiert und adressiert.

Aus diesem Grund kommt es schnell dazu, dass die Kleingruppe das Zentrum des geistlichen Lebens der Teilnehmer wird. So wird die Gruppe praktisch zu einer Gemeinde.

Auch wenn das verständlich ist, ist es nicht wünschenswert. Kleingruppen sollten kein Ersatz für die hauptsächlichen Treffen der Gemeinde werden. Wenn die Kleingruppe deine Gemeinde wird, verpasst du etwas. Hier muss man natürlich anmerken, dass es Kontexte gibt, in denen es nicht viele Gläubige gibt, sodass die Gemeinde klein genug ist, um wie eine Kleingruppe zu funktionieren. Die Bibel schreibt nicht vor, welche Größe eine Gemeinde haben sollte. Worüber wir hier nachdenken ist nicht, ob gesunde Gemeinde eine kleine Gruppe von Leuten sein kann – sie kann es – sondern, ob Kleingruppen ein Ersatz für die Gemeinde sein können – das sollten sie nicht sein. 

Warum nicht? 

Erstens, weil wir durch die ganze Gemeindefamilie zeigen, wen Gott mit sich versöhnt hat. Unsere Kleingruppe reflektiert wahrscheinlich nicht die ganze Bandbreite an Altersgruppen und unterschiedlichen Hintergründen, die in der ganzen Gemeindefamilie vertreten sind. Doch unsere Sonntagsversammlung tut das und das ist wesentlich.  

Zweitens, ist der Rahmen dessen, was eine Kleingruppe leisten kann, begrenzt, gerade weil es eine Kleingruppe ist. Eine Gemeinde ist ein Leib, der aus vielen Gliedern besteht, in dem jeder eine bestimmte Rolle im Leben des Leibes hat. Innerhalb der Kleingruppe ist nicht das ganze Spektrum von Gaben und Diensten vertreten, die es in der Gemeindefamilie gibt.

Drittens, wird die Kleingruppe nicht auf dieselbe Art und Weise geleitet wie eine Gemeinde. Sie kann nicht einen abschließenden Beschluss in Fragen der Lehre oder des Verhaltens fällen, in der Art und Weise wie es eine bestätigte Leitung kann. Sie kann nicht das Abendmahl auf eine Weise feiern, die die Einheit der ganzen Gemeinde ausdrückt. 

Kleingruppen können deswegen eine großartige Ergänzung zum gemeinsamen Leben der Gemeinde sein, doch sie sollten nie ein Ersatz dafür werden. Wir wollen Teil einer Gemeinde sein mit Kleingruppen und nicht eine Gemeinde bestehend aus Kleingruppen. Das Zentrum des Gemeindelebens ist die Versammlung der ganzen Gemeinde und nicht die Kleingruppen.


Der Artikel ist ein bearbeiteter Auszug von Sam Allberrys Buch Why Bother with the Church? Der Artikel erschien zuerst bei 9Marks. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.


Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Evangelium21 übersetzt. Mehr evangeliumszentrierte Ressourcen gibt es auf evangelium21.net.

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